Besuch bei unseren Nachbarn

Wir schließen gleich eine zweistündige Führung an, bei der uns Bamberg mit seiner Geschichte und seinen Sehenswürdigkeiten bekannt gemacht wird. 

Die Stadt hat ca.73.000 EW, ist Universitäts-, Schul- und Verwaltungsstadt, wichtiges Wirtschaftszentrum Oberfrankens sowie Sitz des gleichnamigen Erzbistums. Das bekannteste Bauwerk ist der viertürmige Bamberger Dom  einer der früheren Kaiserdome.

Die Altstadt ist der größte unversehrt erhaltene historische Stadtkern in Deutschland und seit 1993 als Weltkulturerbe in die Liste der UNESCO eingetragen. Darüber hinaus ist Bamberg überregional bekannt für seine vielfältige Biertradition. Die Stadt wurde wie Rom auf sieben Hügeln (Stephansberg, Kaulberg, Domberg, Michaelsberg, Jakobsberg, Altenburg, Abtsberg) erbaut und deshalb auch manchmal als Fränkisches Rom bezeichnet.

Da Bamberg im Zweiten Weltkrieg weitgehend von Bombardierungen verschont blieb, bietet die Altstadt bis heute das nahezu unveränderte Bild der ursprünglichen Dreigliederung in geistliche Bergstadt (im Umfeld des Kaiserdoms), bürgerliche Inselstadt (zwischen den beiden Flussarmen der Regnitz) und der Gärtnerstadt. Überragt vom Dom stellt die Stadt ein denkmalgeschütztes Ensemble zwischen mittelalterlicher und barocker Baukunst dar. 

Rathaus am Fluss


Historischer Rückblick: Kaiser Heinrich II. machte Bamberg zum „caput orbis“, dem Haupt der Welt, und begründete im Jahre 1007 das bald mächtige Bistum, das weit über den Dreißigjährigen Krieg hinaus eine Bastion der römischen Kirche blieb. Der 1237 geweihte viertürmige Dom, ein Meisterwerk deutscher Baukunst am Übergang von der Romantik zur Gotik, und das Rathaus am Fluss  sind nur zwei der zahlreichen Zeugen dieser mittelalterlichen Blütezeit. Eine andere Zeit kultureller Blüte erlebte Bamberg im 17. und 18. Jh., nachdem der Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn in Bamberg seine Residenz errichten ließ. Mit ihm und seinen Nachfolgern hielt das Barock Einzug in der Stadt; für ihre Bauvorhaben gewannen sie namhafte Künstler wie die Brüder Dientzenhofer oder Johann Baltasar Neumann, die bereits in Würzburg Bauwerke von unvergleichlicher Schönheit geschaffen hatten. 

Die angesprochene vielfältige Biertradition wird uns beim abendlichen Bummel bestätigt. Beim „Schlenkerla“ , einem traditionsreichen bürgerlichen Gasthof, bei einem Glas Rauchbier oder in einem der vielen Gasthöfe und Biergärten. Es herrscht an diesem Abend ein geselliges Treiben, ganz Bamberg scheint auf den Füßen zu sein. 

Klein Venedig an der Regnitz Alte Hofhaltung Die neue Residenz
Schlenkerla Klein Venedig an der Regnitz Alte Hofhaltung Die neue Residenz


Der folgende Tag führt uns nach Norden über Suhl und Gotha an die thüringisch-niedersächsische Grenze nach Eichsfeld. Das Eichsfeld wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs durch Einheiten der 3. US-Armee mit absoluter Lufthoheit und starken Panzerkräften zwischen dem 3. und dem 10. April 1945 besetzt. Vorausgegangen waren häufig Jagdbomberangriffe und Artilleriebeschuss. Am 7. April erfolgte bei und in Struth eine Gegenoffensive der Wehrmacht, die noch am gleichen Tag verlustreich zusammenbrach. Auf 50 Friedhöfen im Eichsfeld finden sich die Gräber von 175 deutschen Soldaten, 125 weitere im Eichsfeld Gefallene auf dem hessischen Soldatenfriedhof Nieder Weisel. In 54 Eichsfeldorten entstanden im Zusammenhang mit der Besetzung zum Teil erhebliche Gebäudeschäden, auch an Kirchen. In 22 Orten starben 65 Zivilpersonen, überwiegend Frauen und Kinder. Zuvor kam es ab Anfang 1944 zu Abstürzen von 17 schweren US-Bombenflugzeugen, 14 US-Jagdflugzeugen und 22 deutschen Jagdflugzeugen über dem Eichsfeld Der Landkreis Duderstadt gehörte seit 1945 zur Britischen Besatzungszone und wurde ab 1946 ein Teil des Bundeslandes Niedersachsen. Die Kreise Heiligenstadt und Worbis waren ab 1945 Teile der Sowjetischen Besatzungszone und ab 1949 Teil der DDR. 

Durch das Wanfrieder Abkommen vom 17. September 1945 wurden zwei Eichsfelder Dörfer der amerikanischen Besatzungszone einverleibt und zum Ausgleich fünf hessische Dörfer der sowjetischen Besatzungszone hinzugefügt. An der einst auf dem Wiener Kongress durch das Eichsfeld gezogenen Grenze entstand in den folgenden Jahren der Eiserne Vorhang.

Bis 1989 zog sich von der Lübekker Bucht bis nach Hof in Bayern über 1400 km eine im Lauf von vier Jahrzehnten immer weiter ausgebaute Grenze, die das Land teilte und die Menschen auf gewaltsame Weise voneinander trennte. So erstreckte sich der Grenzsignalzaun auf eine Länge von 1.150 km, auf mehr als 400 km wurden Splitterminen montiert und auf mehr als 650 km Bodenminen verlegt. Zur Grenze hin wurde eine 5 km breite Sperrzone mit einem umfangreichem System von Kontrollpunkten angelegt; zum Betreten war ein Passierschein der Volkspolizei erforderlich. Dessen Ausstellung dauerte ca. vier Wochen, d.h. spontane Besuche bei Verwandten waren unmöglich. Unmittelbar zum Grenzverlauf dann ein 500 m breiter Schutzstreifen und ein 10 m breiter Kontrollstreifen.

Der am 21.6.1973 eröffnete Grenzübergang war mit 5,5 Millionen Reisenden der am häufigsten benutzte Grenzübergang an der innerdeutschen Grenze im Rahmen des grenznahen Verkehrs. Der Museumsführer (er lebte jenseits der Grenze, nach Diktion der DDR feindwärts, seine Ehefrau diesseits der Grenze, also freundwärts) schildert uns den Despotismus, dem die Grenzbewohner im täglichen Leben ausgesetzt waren. Jeder Familienbesuch wurde zum Spießrutenlauf. Das Museum selbst ist sehr informativ mit Schautafeln und Schauobjekten ausgestattet; auch die Außenanlagen geben ein düsteres Bild der staatlichen Willkür der damaligen DDR-Behörden. 

Nach einem kleinen Imbiss geht es weiter in Richtung Erfurt, das letzte Ziel unserer Reise. Nach Hotelbezug statten wir gruppenweise der Altstadt einen abendlichen Besuch ab. Es ist wie in Bamberg. Der Abend ist lau, viele Menschen tummeln sich in den Straßen, und wir genießen das Flair dieser Stadt. 

Heute Sonntagmorgen steht eine zweistündige Stadtführung im inneren Ring der Altstadt auf dem Plan. Ausgangspunkt ist der zwei Hektar große Domplatz mit Dom und Severikirche.

 

Gegenüber die Zitadelle Petersberg, weiter zum Fischmarkt mit Rathaus. Die Krämerbrücke ein einzigartiges Bauwerk nördl. der Alpen; beherbergt heute noch zahlreiche Antiquitätenlädenund Wohnungen. Musikgruppen bespielen die Altstadt und es herrscht schon reges Leben in den Straßen. Es ist hier alles sehr beeindruckend und sehenswert. 

Nun einige Daten dazu: Flächenmäßig ist Erfurt dreimal so groß wie Linz, EW-mäßig aber gleichauf, liegt die Stadt an der Gera im südlichen Thüringer Becken. Erfurt heißt auch die „Turmreiche“, da die Stadt im Mittelalter 80 Kirchen und 36 Klöster besaß, von denen noch heute viele erhalten sind. 

729 wird Erfurt erstmals urkundlich erwähnt. 742 machte es Bonifatius zu einem Bistum, das bereits 755 mit dem Erzbistum Mainz vereinigt wurde. Zur Zeit Karls d. Gr. im frühen 9. Jh. wurde Erfurt zum Zentrum des Handels mit den Slawen. Um das Jahr 1167 legte man eine erste Stadtmauer an (sämtliche Festungsanlagen und Wälle wurden 1873 geschleift). Im Mittelalter war Erfurt eine der wichtigsten und größten Städte Deutschlands. Die Gründe hiefür waren seine Lage am „Königsweg“, einer wichtigen Handelsstraße vom Rhein nach Rußland, und sein umfangreicher Handel, besonders mit Waid

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des wichtigsten blauen Farbstoffes bis zum 17. Jh., als man damit begann, Indigo einzuführen, was dann auch mit zum Niedergang Erfurts führte.

In die Zeit der Blüte fiel 1392 auch die Gründung der Universität (1816 geschlossen und 1994 neu gegründet), an der auch Martin Luther lehrte. Sie war damals nach Prag die zweitgrößte deutsche Hochschule. 1891 verab-schiedete die SPD in Erfurt das Erfurter Programm, in dem u. a. das freie Wahlrecht, die Gleichberechtigung der Frau, die Abschaffung der Kinderarbeit, die Einführung des Acht Stunden-Tages und die Abschaffung des stehenden Heeres gefordert wurde. Die Treffen zwischen Willy Brandt und Willi Stoph am 19.3.1970 in Erfurt und am 21.5. desselben Jahres in Kassel leiteten die neue Ostpolitik ein. 

Mittags kehren wir dann der thüringischen Hauptstadt den Rücken und wenden uns über Hof, Regensburg und Passau wieder unserer Landeshauptstadt zu, die wir wie (fast) vorgesehen etwas nach 2000 Uhr erreichen. 

Für unsere 41-köpfige Reisegruppe waren es drei interessante und gesellige Tage. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr wieder ein ähnliches Reiseprogramm anbieten können.

   

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